Unser Partner Dr. Marcus Hochhaus im Sponsors Artikel

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Sportbusiness: Talente dringend gesucht

Fachkräfte werden auf dem Arbeitsmarkt händeringend gesucht. Das hat auch weitreichende Konsequenzen für den Sport. Verbände, Vereine und Sportrechtevermarkter wirbeln gerade extrem. Sie überbieten sich an kreativen Methoden bei der Suche um die Spitzenkräfte von morgen.

Rund ein halbes Jahrhundert liegt zwischen den Babyboomern und der Generation Z. Die einen, zwischen 1946 und 1964 geboren, haben zum Teil große Karrieren gemacht. Sie besetzen immer noch Top-Posten in Kultur, Wirtschaft, Politik und Medien und haben von einem Markt profitiert, mit unendlich scheinenden Perspektiven. Die Protagonisten der Gen Z, zwischen 1997 und 2012 geboren, wollen wiederum nicht mehr um jeden Preis Karriere machen und sich kaputt schuften. „Bye Bye, Babyboomer“, so der Trend.  

In den nächsten 15 Jahren werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt mehr als fünf Millionen Erwerbstätige fehlen. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Studie im Auftrag von XING E-Recruiting zum demografischen Wandel. Vor allem den Fachkräfte-Sektor werde es hart erwischen. 37 Prozent denken über einen Jobwechsel nach. Das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Eine gute Führung, Work-Life-Balance und eine sinnstiftende Tätigkeit sind wichtiger als das Gehalt. Jeder vierte Jobwechsler kündigt, ohne etwas Neues zu haben. Die flexible Arbeitswelt lässt grüßen. Auch die Pandemie hat dies mit angetrieben. Was bedeutet dieser Trend für das Sportbusiness? Welche neuen Strategien sind beim Recruiting und Einstellen seitens der Arbeitgeber vonnöten? Fünf Experten interpretieren für SPONSORs mit ihrer Expertise einen extrem dynamischen Markt. Sie analysieren das Ringen um die Talente und Entscheider von morgen.

Wechselbereitschaft

„Die Zahl qualifizierter Bewerbungen ist rückläufig“, sagt Tarek Brauer, Direktor Personal beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen. Zugleich steigt der Grad der Professionalisierung. Die Anforderungen im Club-Umfeld werden immer größer. Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Diversität verstärken dies. Der Wettbewerb um talentierte Kandidaten und Kandidatinnen hat somit zugenommen. Als wirtschaftlich kleinerer Club muss Werder besonders schnell und kreativ agieren. „Alleine auf die Strahlkraft des Fußballs oder des Club-Logos zu setzen, reicht im Gegensatz zu früher nicht mehr aus. Wir bewerben uns mittlerweile genauso bei den Talenten wie umgekehrt“, ergänzt Brauer. Hier ist ein Umdenken auf Seiten der Clubs gefragt, ein neues Mindset muss her.

Tarek Brauer

Tobias Weigt, Personalleiter beim VfL Wolfsburg, registriert ebenfalls „einen Fachkräftemangel“ in der Sportbranche. Das liegt auch daran, dass einst kleine Clubs, mit einem Greenkeeper und drei Halbtagskräften auf der Geschäftsstelle, zu Großunternehmen geworden sind. Dementsprechend haben sich die Aufgabenfelder erweitert. „Ich habe 2003 beim VfL angefangen, da hatten wir keine 30 Mitarbeiter. Das war noch überschaubar. Jetzt sind wir bei über 200 angelangt.“ Darunter sind nicht nur einfache Jobs, sondern auch viele Fachkräfte. „Dafür die passenden Leute zu finden, ist schwierig“, so Weigt. Obwohl Wolfsburg ein attraktiver Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten ist. Die Rahmenbedingungen sind gut, mit spannenden Aufgaben in vielen Bereichen. Es eine neue Auszeit-Regelung und mobiles Arbeiten. Weigt: „Wir haben unter anderem ein Großraumbüro eingerichtet, mit unterschiedlichsten Formen von Arbeitsplätzen und Telefonzellen, in denen die Mitarbeitenden in Ruhe arbeiten können.“ 

Das Ringen um Talente betrifft verschiedene Berufsbereiche im Sportbusiness, vor allem alle digitalen Jobs, nicht nur in der IT. Digitales Marketing gehört dazu, aber auch einen Platzwart zu finden, wird immer schwieriger, da der Nachwuchs fehlt. Der Verein reagierte. „Wir haben ein Kununu-Profil, auf dem wir unsere Leistungen anschaulich darstellen und bewertet werden können“, sagt Weigt.

Tobias Weigt

Die Fluktuation steigt branchenübergreifend. „Vor einigen Jahren sind unsere Mitarbeitenden noch zu einem anderen Club gewechselt. Heute verlassen sie die Branche“, beobachtet Weigt. Die Abwanderung nimmt also immer mehr zu. Auch der temporäre Lockdown in den Stadien hat zu einem Fachkräftemangel beigetragen. Es findet ein Umdenken statt. „Nicht mehr am Wochenende arbeiten zu müssen, ist schon ein Grund bei der Jobsuche. Das können wir als Sportverein nicht bieten.“ Die Spanne der Berufe in der Sportbranche wird dennoch immer breiter. Sie reicht von den zahlreichen Zuarbeitern und Dienstleistern über Jobs in den Bereichen IT, Sales und Marketing bis hin zur Vorstandsriege. Viele von ihnen können mit ihren Abschlüssen in Jura, Betriebswirtschaftslehre oder Informatik auch woanders Fuß fassen.    

Werder-Mitarbeiter Brauer sieht viele Ursachen, die eine Verschiebung hin zu einem Arbeitnehmermarkt begründen. Geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente, jungen Menschen sind Faktoren wie Work-Life-Balance, Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit und Flexibilität immer wichtiger. Aber auch die Wechselbereitschaft ist größer geworden. „Talente bleiben nicht mehr bis zum Renteneintritt in einem Unternehmen, sondern möchten Abwechslung, Neues lernen, sich weiterentwickeln – auch abseits der klassischen Karriereleiter in horizontalen Fachkarrieren. All diese Faktoren spielen mittlerweile eine größere Rolle als Sicherheit“, so Brauer.

Mitarbeitersuche

Auf die Frage, ob auf die neue Situation entsprechend reagiert werden müsse, antwortet Vivi Dimitriadou, Chief People Officer bei Sportfive: „Wir beobachten seit Jahren, dass die klassische Stellenanzeige für bestimmte Positionen nicht mehr ausreicht.“ Employer Branding und die Nutzung sozialer Medien werden immer relevanter. „Bestimmte Personengruppen warten auf die direkte Ansprache und treiben sich nicht mehr auf Jobportalen rum“, sagt Dimitriadou. Sportfive pflege, auch um dem etwas entgegenzusetzen, eine offene Kommunikationskultur sowie flache Hierarchien. Der Sportrechtehändler bietet zudem für Mitarbeitende „die Möglichkeit, sich mit eigenen Themen einzubringen“. So sei die Sparte eSport aus der eigenen Organisationsstruktur gewachsen. 2021 kaufte Sportfive die Kölner eSport-Agentur Build A Rocket und rekrutierte auch über diesen Weg 15 neue Angestellte.

Vivi Dimitriadou

An einem Spieltag des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV brummt es im und rund um das Volksparkstadion. Es sind unfassbar viele Menschen im Einsatz. Der Personalbedarf der Proficlubs ist nach wie vor hoch. Das gilt auch für die kleineren Ligen wie Handball-Bundesliga oder Basketball-Bundesliga. Die Tätigkeiten reichen von Catering über Sicherheit bis zum Ticketing. „Der Brezelverkäufer soll schon noch zum Platz kommen“, beobachtet Daniela Schumacher, Personalleiterin beim HSV. Viele dieser Jobs werden von Subunternehmern ausgeführt. Aber auch die HSV Fußball AG mit ihren insgesamt 230 festen Mitarbeitenden hat personelle Engpässe. „Wir selbst haben im Bereich Merchandising Probleme“, sagt Schumacher.

Lizenzfussball Beschäftigte

Dennoch sind vor allem die Fußballvereine der Bundesliga und 2. Bundesliga relativ starke Marken. Die Arbeitgeberseite profitiert davon. „Wir bekommen auf Ausschreibungen viel Resonanz, weil wir als Profiverein attraktiv sind“, berichtet Schumacher. Sie mahnt aber: „Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen, denn das Abstrahlen auf die Arbeitgeberattraktivität ist weniger geworden.“ Bei vielen Jobs konkurriert der HSV zudem mit anderen Hamburger Top-Unternehmen wie Otto, Airbus oder Beiersdorf. „Viele Berufe, wie Controller oder Personaler, sind nicht sportspezifisch“, sagt Schumacher. Deutschlandweit konkurriert der HSV zum einen mit anderen Clubs, zum anderen mit sportfremden Unternehmen auch aus anderen Städten. Die Vereine brauchen also neue Strategien, um diesen Trends etwas entgegenzusetzen. Sie beschäftigen sich auch immer mehr mit dem Thema Employer Branding. Da wird die Attraktivität vom Arbeitgeber selbst rausgestellt, um die eigene Marke zu schärfen. „Das große Asset von Fußballclubs ist die hohe Emotionalität“, so Schumacher.

Schumacher

Auch das Thema New Work ist in der Branche in aller Munde. „Wir haben vor zwei Jahren das Projekt ,HSV-Arbeitswelten‘ ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, die Welt im Stadion weiterzuentwickeln, um Fragen, wie ein Verein nach der Pandemie mit Remote umgeht“, veranschaulicht Schumacher diesen Prozess. Seit dem ersten Lockdown hat es beim HSV keinen Tag gegeben, an dem Mitarbeiter ins Büro gehen mussten. Der Traditionsverein sei kein echter First Mover, also Treiber der Veränderung, aber ein Early Adopter. Er habe die neuen Trends und Veränderungen in der Arbeitswelt also früh angenommen. Zur Sinnstiftung gehört auch, dass vielen Kandidaten wichtig ist für welches Unternehmen sie arbeiten. Ökologische und soziale Themen spielen dabei eine immer stärkere Rolle. Der HSV hat eine umfangreiche Transformation in die Wege geleitet. So ist die Personalabteilung mit der Sektion Nachhaltigkeit zusammengelegt worden.

Im Kern lässt sich sagen, dass es neue Machverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt gibt. Auch wenn Weigt vom VfL Wolfsburg betont: „Nach wie vor werden Kernkompetenzen definiert, auf die die Kandidaten auch einzahlen müssen.“ Im Sportbusiness haben zunehmend die Arbeitnehmer das Heft des Handelns in die Hand genommen. Die Arbeitgeber fordern zwar nach wie vor, aber liefern auch mächtig. Weigt sieht die meisten Vereine, Verbände oder Sportrechtehalter nicht als First Mover. Bei digitalen Themen können sie dies zwar sein. Eine hochprofessionelle Website und Social-Media-Abteilung mit entsprechend viel Personal gehören zum Standard. Bei Themen, wie dem Administrativen, auch bei der Personalarbeit, sind andere mittelständische Unternehmen dagegen längst weiter. Lange Zeit haben die Unternehmen nur den Sport an sich in den Fokus gerückt. Der Rest ist mitgemacht worden.

Marcus Hochhaus

Marcus Hochhaus von der Sport-Beratungsagentur Sportheads bringt die Sache auf den Punkt: „Es gibt nach wie vor genügend gute Fachkräfte in der Sportbranche. Viele von ihnen, gerade auch Berufseinsteiger, haben nur andere Absichten als früher.“ Karriere um jeden Preis ist obsolet. Der „Terms of Trade“ verändere sich gerade, sagt Hochhaus. Die Chancen für Sport-Begeisterte, einen der – zumindest früher – begehrten Jobs zu bekommen, stehen also gut wie nie. Aktuell sucht Sportfive beim Jobportal LinkedIn einen Manager People Operations, ein Team Lead People Operations Services und einen Manager Global Management Operations. „Hybrid“ ist immer mit angegeben. Selbst sechsmonatige Praktika werden auf demselben Portal opulent ausgeschrieben. So sucht die Handball-Bundesliga händeringend neue Praktikanten in den Bereichen Medien und Kommunikation sowie Marketing, Sponsoring, Event- und Projektmanagement. Auf fussball-jobs.de sucht das Fachmagazin „Kicker“ jeweils einen Video-Editor und einen Video-Producer. Der Milliardenmarkt E-Gaming lockt im Sport ebenfalls mit vielen Jobangeboten.

Wer also, Achtung Standardfloskel: „in einem spannenden, emotionalen Umfeld“ arbeiten möchte und auch noch motiviert ist, hat momentan die allerbesten Chancen. Die Arbeitgeber müssen und wollen vor allem den jungen Leuten etwas bieten. Generalistische Jobsuchende, wie Marketing-Manager, gebe es noch viele, so Experte Hochhaus, der mit seiner Agentur Sportunternehmen beim Recruiting unterstützt. IT-Experten dafür nicht. Hier konkurrieren Sportfive, HSV, VfL Wolfsburg und Co. mit Amazon und Google um die Spitzenkräfte. Die Digitalisierung treibt die Arbeitgeber an, neue Jobs anzubieten. Das gilt gerade auch für die dynamische Sportbranche.

Heute gibt es Jobprofile, die es vor fünf Jahren noch undenkbar waren. So sucht der FC Bayern gerade händeringend „Mitspieler*innen“ für UX-Design. Dafür fand RB Leipzig kürzlich kaum Interessierte für ein Praktikum in der Pressestelle. Auch auf ein Volontariat beim Sport-Online-Portal Spox bewarb sich kaum jemand. Die Arbeitgeber müssen liefern, offensiv auf Social Media scouten. „Speed Dating” zum schnellen und unkomplizierten Kennenlernen von Kolleginnen und Kollegen wird in der Branche ebenso angeboten wie regelmäßige After-Work-Abende. New Work beinhaltet mobile Arbeit, Kurz-Sabbaticals, Town-Hall-Meetings, individuelle Coachings, Mentoring und modulare Kurse. Der FC Bayern München bezuschusst Weiterbildung von Mitarbeitenden mit jeweils 500 Euro. Auch Vivi Dimitriadou von Sportfive macht Lust auf mehr: „Die persönliche Entwicklung hat bei uns einen hohen Stellenwert. Wir haben individuelle Entwicklungspläne und ein umfangreiches Weiterbildungsangebot.“

Fotos: IMAGO / Ikon Images, SV Werder Bremen, VfL Wolfsburg, Sportfive, Privat, Sportheads

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